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Und nichts an mir ist freundlich

Irgendwann stellt sich dir die Frage:

Bin ich mit dem zufrieden was ich tue? Gefällt mir mein Leben? Bin ich glücklich?

Was ist meine Bestimmung?

Ich habe beschlossen, mein Studium zu beenden...

Meine Mutter ist ausgeflippt. Hatte ich ehrlich auch nicht anders erwartet... Meinem Vater habe ich noch nichts gesagt.

Ich möchte gerne Logopädin werden.

Leider kostet die Schule 400 € im Monat. 400 €, die ich nicht habe... die meine Eltern mir nicht geben können bzw. nicht geben wollen.

Wenn es nach ihnen ginge, dann sollte ich wieder zu Hause einziehen.

Wo ich keine Ruhe zum Lernen hätte, mit meinen kleinen Geschwistern...

Ich weiß genau, worauf das hinaus laufen würde:

Ich mache den Haushalt und kümmere mich um meinen vierjährigen Bruder. Nebenbei mache ich dann meine Ausbildung... So wie vorher auch schon. Schule war nebensächlich. Aber wehe ich hatte eine Klausur verhauen, für die ich nicht lernen konnte, weil zu viel zu tun und zu viel Krach im Haus war. 

Für meine Mutter war es immer angenehm eine "Große" zu haben, die so viel mit anpackt.

Das soll nicht wieder so werden.

In dem Buch "Der talentierte Mr. Ripley" begegnet Ripley auf einem Schiff zwei Frauen; eine herrschsüchtige Dame mit ihrer unverheirateten, zurückhaltenden Mitvierziger Tochter.

Damals habe ich mich und mit meiner Mutter in diesem Paar erkannt. Und hatte Angst.

Ich kann nicht wieder zu Hause einziehen. Mein zu Hause ist ganz woanders. Ich fühle mich im Haus meiner Eltern nicht mehr wohl. Wo man sonntags auf Zehenspitzen durch das Haus schleichen muss, um den im Büro sitzenden Vater nicht zu verärgern. Wo die Mutter nicht mit einem redet, und man nicht einmal weiß, was sie so ärgerlich macht? Wo eigene Bedürfnisse an letzter Stelle stehen... Freunde, Schule, Liebe... alles nie ein Thema gewesen.

Meine Eltern haben mich verkorkst.

Zu viel Wert auf meine Erziehung gelegt. Ich war das Vorzeigekind. Man wollte ja alles richtig machen, man hatte ja so jung geheiratet und dieses Kind bekommen. Schule und Zeugnisse, Musikunterricht, meine Mutter war immer froh, wenn sie mit mir prahlen konnte...

Noch heute benehme ich mich einfach viel zu gut. Ich bin zu still und zurückhaltend, weil es mir anerzogen wurde. Ich bin so kontaktscheu, weil auch meine Eltern nie Kontakte pflegten. Ich habe nicht gelernt, wie man mit Nähe umgeht. Nie gab es eine Umarmung oder Nachtkuss vor dem Schlafen gehen. Meine Mutter weicht noch immer bei Umarmungen zurück. Sie haben mir auch weiß Gott keine "normale" Ehe vorgelebt. Mit den vielen Eskalationen. Auch ihre Sanktionen, wenn ich zurück denke. "Wenn du den Teller nicht leer isst, dann kannst du so lange damit im Abstellraum sitzen bleiben bis du es dir anders überlegst."

Aber wie soll man denn, wenn man eine Essstörung vorgelebt bekommt? Kinder schauen sich viel von ihren erwachsenen Vorbildern ab... Und ich konnte diesen monströsen Hamburger der vor mir auf der Tiefkühltruhe stand einfach nicht hinunter bringen, weil er im Mund die Beschaffenheit eines Topfschwammes annahm. Als wenn man einen von diesen Topfkratzern aus Metall verzehren müsste. Es schüttelt mich noch bei dem bloßen Gedanken daran.

Dies mag alles erschütternd klingen; dabei habe ich aber das eigentlich Schlimme weggelassen: Die Gewalt.

An diesem Wochenende muss ich meinen Vater von meinem Vorhaben in Kenntniss setzen, wünscht mir Glück.

 

 

 

28.9.07 17:53


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